CfP Best Publication Award Gender und Medien 2022

Auch 2022 lobt die AG Gender/Queer Studies und Medienwissenschaft den Best Publication Award Gender und Medien für herausragende Forschungsarbeiten im Bereich Gender Media Studies aus. Einreichungen für den mit 1.000 EUR dotierten Preis sind bis zum 31. Juli 2022 möglich. Prämiert werden innovative Beiträge zur Analyse von Bedingungen und Möglichkeiten des Lebens in sozialen, kulturellen, politischen und medialen Gefügen unter Berücksichtigung der Vergeschlechtlichung in Beziehung zu Rassifizierung, Ableismus, Klassismus, Antisemitismus und/oder Heteronormativität. Die Einladung zu Einreichung richtet sich dabei ausdrücklich an Autor*innen auf frühen Karrierestufen. Darüber hinaus freut sich die Jury – Natascha Frankenberg, Naomie Gramlich, Sophie Holzberger, Stefan Schweigler, Mary Shnayien – über zahlreiche Vorschläge gerne auch von Texten anderer Personen. Die Verleihung des Preises findet auf der GfM-Jahrestagung vom 28. September bis 01. Oktober 2022 in Halle statt.

Wir bedanken uns ganz herzlich bei Prof. Dr. Nanna Heidenreich und der Gesellschaft für Medienwissenschaft, die den Preis in diesem Jahr finanzieren.

Detailliertere Informationen sowie die E-Mail-Adresse für Einreichungen und/oder Rückfragen finden sich im ausführlichen Call als PDF.

Statement against the war in Ukraine

We condemn the extended Russian attacks on Ukraine and declare our solidarity with all those affected by the Russian invasion in Ukraine, with the people who have to fight for their lives, those partaking in civil resistance, taking their anger and fear to the streets in Cherson and elsewhere, with the Ukrainians in the diaspora as well as with people in Russia and Belarus who are also protesting against war despite political repression.

We call on Putin to end war and suffering, and on all governments to make every possible effort to prevent it from escalating further, to take responsibility, and grant protection and safety to those fleeing from war, military conflict, and political repression.

We call for a position beyond nationalism, imperialism, and militarization, for a new thinking of security, safety, differences, and global interdependence informed by mutual and solidaric practices of care. We demand politics that aim to end military and – as deeply entangled with it – structural violence based on ethnicity, race, gender, class, dis/ability, and sexual orientation. 

We stand in solidarity with civil protests in Ukraine as well as in Russia, especially with feminist and queer resistance against the war, with all those who flee from Ukraine and face racist discrimination at the borders, with the trans women who cannot leave the country due to their legal status, with LGBTIQ* refugees for whom the arrival in a supposedly peaceful country does not guarantee safety. These threats are not new nor are they exceptional to the devastating war in Ukraine. All the more we want to stress these different and intersectional effects of violence. It is with great concern that we learn about the fear of people belonging to the LGBTIQ* community in Ukraine facing political persecution through the Russian military as well as possible assaults of radical right-wing forces opposing the military attacks. 

We call to end racist refugee politics, which re/produce differentiations between „good“ and „bad“ refugees, between those who are „like us“ and those „others“ and thus reinforce the biopolitical basis of racism in Europe.  Ukrainian refugees, who in media and politics are described as being ‚more similar‘ to ‚us‘, are instrumentalized to once again denounce those who have fled war, famine, and colonial violence and those detained in camps at the borders of the “Fortress Europe”. It is our responsibility to resist and call out these narratives as well as provide alternatives that do not exacerbate discrimination.

As scholars, we acknowledge the decision of German funding institutions such as DFG and DAAD to stop their cooperations with/in Russia as a means to condemn the military attacks. Nonetheless, we also worry about the students and researchers, our colleagues, who themselves are in danger for positioning themselves against the war, and we understand our expression of solidarity as a commitment to practical support for them, too. We would strongly appreciate financial and institutional cooperation in doing so.

As media scholars in particular, we will also have the responsibility to observe the events of war and those related to it and to analyze them based on our expertise. But for now, it is even more important to voice and offer support and solidarity. 

Also, from the background of the very recent experience within our local institutions, we only want to add the hint to https://scienceforukraine.eu, since they seem to enable quite unbureaucratic help in giving examples for individual initiatives.

To learn more about Solidarity networks in the war against Ukraine, see https://zfmedienwissenschaft.de/online/blog/solidarische-netzwerke-im-krieg-gegen-ukraine

AG Gender/Queer Studies, März 2022

CfP Best Publication Award Gender und Medien 2021

Wir freuen uns, bereits zum elften Mal den Best Publication Award Gender und Medien für herausragende Forschungsarbeiten im Bereich Gender Media Studies ausloben zu können. Bis zum 31.07.2021 sind Einreichungen für den mit 1.000 EUR dotierten Preis möglich. Nachdrücklich richtet sich die Einladung an Autor*innen auf frühen Karrierestufen. Einreichungen eigener Arbeiten sind ebenso willkommen wie Vorschläge von Texten anderer Personen.

Die Jury, in diesem Jahr bestehend aus Natascha Frankenberg, Irina Gradinari, Louise Haitz, Feng-Mei Heberer und Mary Shnayien, freut sich auf zahlreiche Beiträge!

Wir bedanken uns ganz herzlich bei Prof. Dr. Henriette Gunkel und der Gesellschaft für Medienwissenschaft, die den Preis in diesem Jahr finanzieren.

Intersektionale Bildungsarbeit – Maisha Maureen Auma lesen

Dank kritischer und engagierter Forschung wissen wir, dass sich Rassismus nicht zuletzt in Bildung und Erziehung niederschlägt. Rassismus wird in Institutionen des Bildungsbetriebs strukturell etabliert, praktisch wiederholt und gesellschaftlich gefestigt. Dies betrifft nicht nur Inhalte (z. B. „Kolonialamnesie“ in der Schule), sondern auch Methoden, historische Perspektiven und die (empowernde oder ausschließende) Kommunikation zwischen Bildungsakteur*innen. Immer noch entscheiden Bildungsinstitutionen ab frühester Kindheit und über verschiedene biographische Etappen hinweg wesentlich über den beruflichen Erfolg und soziale Anerkennung und weisen so gesellschaftliche Positionen und Un/Möglichkeiten der Teilhabe zu.

Maisha Auma forscht genau zu diesem Thema und erarbeitet Perspektiven zu Diversität in der Bildungsarbeit. Ihre Arbeit bietet daher wichtige Anknüpfungspunkte für inhaltliche, methodische und hochschuldidaktische Arbeit für Forschende und Lehrende, die wir euch hier zur Lektüre empfehlen möchten. Sie bieten wichtige Impulse für die Arbeit an und mit Medien der Kindheit und Jugend, für Institutionenkritik und für intersektionale Antidiskriminierungsarbeit an Hochschulen. Als an Bildungsinstitutionen tätige Lehrende können wir viel von ihren intersektionalen Perspektiven lernen.

Daher möchten wir anbei ein paar anregende Texte empfehlen – vielleicht auch im Hinblick auf das neu zu planende Semester, als Lektüre in Arbeitskreisen an euren Institutionen und als Empfehlung für Kolleg*innen, für die Lehrplanung und strukturelle Debatten, die ihr entlang dieser interdisziplinär sehr gut zugänglichen Texte an euren Hochschulen und Bildungsinstitutionen einbringen könnt.
Auftakt ist dieses lesenswerte Interview mit Maisha Auma im Tagesspiegel zu strukturellem Rassismus an deutschen Hochschulen – eine Diskussion zu institutionellem Rassismus, die wir auch im FAM führen: „Nur tagsüber sind Universitäten weiße Institutionen“: https://www.tagesspiegel.de/wissen/struktureller-rassismus-an-deutschen-hochschulen-nur-tagsueber-sind-universitaeten-weisse-institutionen/26730214.html
Der folgende Text eignet sich auch sehr gut für die Seminardiskussion. Er bietet einen niedrigschwelligen Einstieg in intersektionale Antidiskriminierungsarbeit anhand der Diskussion um die Streichung des Begriffs „Rasse“ in Artikel 3 des Grundgesetzes.
https://www.bpb.de/apuz/antirassismus-2020/316764/fuer-eine-intersektionale-antidiskriminierungspolitik
Das mit Susan Arndt, Grada Kilomba und Peggy Piesche herausgegebene Buch Mythen, Masken und Subjekte ist ein Klassiker der Critical Whiteness-Forschung und der postkolonialen Kritik:
https://www.unrast-verlag.de/ebooks/mythen-masken-und-subjekte-213-213-detail
Für den Bereich der Konzeptualisierung von Kultur und Kunst zwischen Antidiskriminierung, kultureller Bildung und Medien der Kindheit (Pippi Langstrumpf…) bietet der Beitrag „Kulturelle Bildung in pluralen Gesellschaften: Diversität von Anfang an! Diskriminierungskritik von Anfang an!“ wichtige Perspektivierungen.
https://www.kubi-online.de/artikel/kulturelle-bildung-pluralen-gesellschaften-diversitaet-anfang-diskriminierungskritik-anfang
Die Texte von Maisha Auma können in der Bildungspolitik, -arbeit und-praxis tätigen Menschen wichtige Impulse geben. Warum sie nicht in die eigene Institution/ an das eigene Institut tragen, um so direkt vor Ort strukturellen Rassismus zu thematisieren?

Als Medienwissenschaftler*innen interessieren uns Formate und Formationen wie Didaktiken für unsere Forschung und Lehre. Wir profitieren von diesen und weiteren Ressourcen, auf die wir für unsere Auseinandersetzung mit sich „potenzierenden Ausschließungsprozessen“ (Auma) zurückgreifen. Daher freuen wir uns auf weitere Texte von Maisha Auma in wissenschaftlichen und politischen Debatten und schätzen ihre intersektionalen Impulse als essentiell für aktuelle Debatten. Wir verurteilen daher die Angriffe der AfD auf Maisha Maureen Auma. Da sie sich auf ein unmittelbar vor dem Wissenschaftstag #4genderstudies veröffentlichtes Interview beziehen, handelt es sich auch um Angriffe auf die Gender Studies und insbesondere intersektional arbeitende Forschende und Lehrende. Daher erklären wir uns explizit mit der Perspektive und der Arbeit von Maisha Auma solidarisch und teilen sie hier. Wir schließen uns ihrem sich durch ihre Texte ziehenden Plädoyer für eine multiperspektivische, vielfältige und diskriminierungssensible intersektionale Bildungsarbeit an.

Euer FAM
(Forum Antirassismus Medienwissenschaft)

DFG Forschungsnetzwerk Gender Medien Affekt

Das von der DFG geförderte Forschungsnetzwerk Gender Medien Affekt erforscht in den kommenden drei Jahren kollaborativ das enge Verhältnis zwischen Gender Studies und Medienwissenschaft im Zuge digitaler Affektökonomien. Die Mitglieder diskutieren, wie Geschlecht, Medien und Affekt zusammenwirken und wie gesellschaftliche, subjektive und kulturelle Prozesse über Fragen von Geschlecht und Medialität erklärt werden. Dieser Konnex wird mit einem Fokus auf eine spezifische affektive Konjunktur herausgearbeitet, die in Hate Speech, Digitaler Gewalt oder Cyberrassismus sichtbar wird. Expert*innen aus den Bereichen Postkoloniale Kunst- und Kulturwissenschaft, Affect Studies, Feminist Science Studies, Migration, Critical Whiteness Studies, Jewish Studies und New Materialism arbeiten im Bereich der Gender Queer Studies und Medienwissenschaft zusammen. Intersektionale Perspektiven, situierte und reflexive Methoden sowie kollegiale Feedbackmethoden bestimmen die Arbeitsweisen. Geleitet bzw. koordiniert wird das Netzwerk von Katrin Köppert und Julia Bee.

Mitglieder: Julia Bee, Jasmin Degeling, Jennifer Eickelmann, Maja Figge, Irina Gradinari, Henriette Gunkel, Nanna Heidenreich, Sarah Horn, Goda Klumbyte, Katrin Köppert, Anja Michaelsen, Isabell Otto, Véronique Sina, Stephan Trinkaus.

AG Workshop: Queerfeministische Kompostierungen der Digitalität

Queerfeministische Kompostierungen der Digitalität

Workshop-Treffen der AG Gender/Queer Studies und Medienwissenschaft der Gesellschaft für Medienwissenschaft ausgerichtet von der Rheinischen Sektion der Kompostistischen Internationale

17. Oktober 2020, 11-15 Uhr, Zoom

Die COVID-19 Pandemie bringt bestimmte Konstellationen an digitalen Gefügen hervor. Tools wie Zoom, WebEx und Microsoft Teams erhielten Einzug in den Alltag des (zwischenmenschlichen) Miteinanders und rufen somit eine neue Dringlichkeit auf den Plan. Wie verantworten wir die neu geknüpften (prekären) (Techno-)Ökologien mit ihren Prozessen und Entitäten? Wie können wir die Materialität und Medialität des Digitalen diffraktiv denken? Kurz: Wie verhalten wir uns queer-feministisch zu und mit dem Phänomen der ‚Digitalisierung‘? Kann einem algorithmischen Anders-Werden stattgegeben werden?

Herausgefordert durch eine radikale Unverfüg/ fug/barkeit des Algorithmischen wollen wir in diesem Workshop nach Eigenlogiken der Komputation fragen und Möglichkeiten einer ‚Kompostierung‘ des Digitalen ausloten. Mit ‚Kompostierung‘ knüpfen wir an Donna Haraways Claim des „we are all compost, not posthuman“ an, der uns zu sympoietischen Formen des Lebens-und-Sterbens-Mit nicht/menschlichen Krittern aufruft. Gemeint ist damit, dass nichts aus sich selbst hervorgeht oder in sich selbst ist, sondern die Verschränkung einander fremder, nichtidentischer Welten auf dem Spiel steht. Mit Bezug auf neomaterialistische Theorien wollen wir nach den techno-kapitalistischen, materiellen und ethischen Implikationen fragen, die eine algo- rithmische Ontoepistemologie auszeichnen. Im diffraktiven, also gleichwertigen Durcheinander-Hindurch-Lesen von algorithmischer und neomaterialistischer Theorie ergeben sich Interferenzmuster, in denen sich die Stränge gegenseitig durchkreuzen, verantworten, verhindern und/oder weiterschreiben. Die sich zeigenden Effekte von Differenzen fordern und ermöglichen neue Formen der response-ability, die ein je schon Anders-Werden des Algorithmischen, Nicht/Menschlichen, Mehr-als-Menschlichen und unserer Theoretisierung zulassen/markieren.

Vor allem treibt uns die Frage um, ob das Algorithmische als transhumanistische Allmachts-Narration des Technokapitalismus eine anthropozentrische Herrschaftsgeste vollzieht, denn gerade in Zeiten der globalen Pandemie erfahren digitale Lösungsstrategien eine neuerliche Bestärkung, oder ob wir mit der kritischen Methode des Kompostierens eine radikale Immanenz einfordern können, die auch das ‚Alien‘ des Algorithmischen im Geflecht von Welt/en verwebt und so Un/bestimmtheiten einschreibt, die Ethiken des Unverfügbaren einfordern.

Bitte meldet Euch unter folgender Adresse für den Workshop an: queer-compost@gmx.de

Vor dem Workshop erhaltet Ihr zur Vorbereitung Texte, die wir dann gemeinsam diskutieren und kompostieren wollen. Der Workshop wird auf Zoom veranstaltet. Ihr erhaltet die Zugangsdaten per eMail.

Viele Grüße von der Rheinischen Sektion der Kompostistischen Internationale (Friederike Ahrens, Jakob Ginster, Lisa Handel, Fedora Hartmann, Christiane König, Lisa Krall, Sina Musche, Joshua Ben Pesch, Susanna Schoenberg, Fiona Schrading, Jannis Steinke, Katja Stüben, Katharina Tiemann, Stephan Trinkaus)

AG Treffen GfM Jahrestagung 2020

Wir laden ganz herzlich zum diesjährigen AG Treffen im Rahmen der Jahrestagung der GfM ein! 


2.10.2020 // 15.30-16.30 Uhr 


Ihr müsst euch für die Konferenz wie auch den Zugang zu den einzelnen Veranstaltungsformaten anmelden: https://gfm2020.blogs.ruhr-uni-bochum.de/anmeldung/

Im Rahmen der Mitgliederversammlung findet die Preisverleihung des Best Publication Award Gender und Medien 2020 statt.


1.10.2020 // 15.00-18 Uhr

CfP Best Publication Award Gender und Medien 2020

Der Best Publication Award Gender und Medien wird 10! Die AG Gender/Queer Studies und Medienwissenschaft der Gesellschaft für Medienwissenschaft freut sich über zahlreiche Einsendungen von Texten bis zum 31. Juli 2020. Die Verleihung des mit 1000€ dotierten Preises findet im Rahmen der Jahrestagung der Gesellschaft für Medienwissenschaft Ende September in Bochum statt.

Gegen Antigenderismus in der Wissenschaft und darüber hinaus – Eine Resolution der Gesellschaft für Medienwissenschaft

Auf Initiative der AG Gender/Queer Studies und Medienwissenschaft hat die Gesellschaft für Medienwissenschaft auf ihrer Jahrestagung im September 2019 diese Resolution diskutiert und verabschiedet:

Gegen Antigenderismus in der Wissenschaft und darüber hinaus

Antigenderismus zeigt sich in den letzten Jahren in verschiedenen Formen und Graden. Gender Studies als Fach werden selbst in der gemäßigten überregionalen Presse angegriffen, die Forschungen verdreht und selektiv falsch dargestellt, um ihre angebliche Nicht-Wissenschaftlichkeit zu demonstrieren. Neben diesen antigenderistischen Diskursen werden auf einer realpolitischen Ebene Gender Studies durch gezielt abwertende Anfragen an Länderparlamente unter Legitimationsdruck gesetzt. 

Immer häufiger erleben wir zudem Formen der Kommunikation, die nicht mehr nur die Gender Studies allgemein, sondern zunehmend auch Forschende direkt angreifen. Lehrende und Forschende im Bereich der Gender Studies werden öffentlich diffamiert und persönlich mit Drohgebärden überzogen. Dies betrifft Wissenschaftler*innen in prekären bzw. befristeten Beschäftigungsverhältnissen besonders hart. Die gezielten Hetzkampagnen und Einschüchterungsversuche sind Angriffe auf ihre wissenschaftliche Arbeit, ihren ökonomischen Lebensunterhalt und ihre seelische Gesundheit. Wenn Akteur*innen einer Disziplin wie Gender Studies eingeschüchtert werden, steht auch die Freiheit medienwissenschaftlicher Forschung auf dem Spiel.

Rechte, populistische Parteien machen den Kampf gegen Gender Studies und Geschlechterentwürfe jenseits der Zweigeschlechtlichkeit zu einem ihrer zentralen Schauplätze. Die traditionelle heterosexuelle Familie und das Zweigeschlechtermodell werden mobilisiert, um auch die nationale Einheit als affektives Bindungsmodell zu installieren. In Folge verschiebt sich das gesellschaftliche Klima, im Backlash richten sich rechtskonservative Diskurse gegen Forschungen, die (nationalrassistische) Familien-, Geschlechter- und heteronormative Begehrensmodelle ins Zentrum ihrer kritischen bzw. dekonstruktiven Auseinandersetzung stellen. Häufig werden Angriffe gegen Gender Studies auch als Verteidigung der Neutralität der Wissenschaften gesetzt, um diese zu diskreditieren.

Die Ablehnung von Geschlechterforschung und kritischer Wissenschaft bekommt auch in anderen Disziplinen Aufwind. Besonders angegriffen werden intersektionale, auch postkoloniale Ansätze, die der Gleichsetzung von Feminismus und westlichen Werten ein differenziertes, komplexeres Bild von Feminismen*, internationalen queeren Bewegungen sowie mehrkategorialen Verflechtungen entgegensetzen. In diesem Zusammenhang lässt sich auch eine anti-intellektuelle Haltung wahrnehmen, die Wissenschaft in ihrer Aufgabe, Gesellschaft und Gegenwart in ihrer Komplexität (anzu-)erkennen, in Frage stellt. Das geht weit über die konkrete Einschüchterung einzelner Fächer hinaus und geht uns alle an. Es ist daher im Sinne der freien Wissenschaft wichtig, sich solidarisch mit den angegriffenen Wissenschaftler*innen zu verhalten und weiter für den Verbund aus Gender Studies, Queer Studies und Medienwissenschaft einzustehen. Nicht nur weisen diese Fächer eine lange gemeinsame Genealogie auf, sondern teilen sich Methoden und ein kritisches Selbst-und Wissenschaftsverständnis.

Als Fachgesellschaft Medienwissenschaft beobachten wir mit Besorgnis den Umschwung des Diskussionsklimas, in dem der öffentliche pluralistische und die Würde Einzelner achtende Diskurs aufgekündigt und zu einer entwertenden und teilweise sogar bedrohlichen Sprache gewechselt wird. Wir sehen ebenfalls mit Besorgnis, wie sich der Diskurs zu einem aus rechtem Populismus, Antiintellektualismus und Rassismus bestehenden toxischen Cocktail aus nicht immer einheitlich verursachten, aber sich verstärkenden Diskurssträngen vermischt und gegen Personen und ihre Forschung entlädt. Wir arbeiten der zunehmenden Verschiebung des Diskursklimas, welches Forschung im Bereich von Gender und Queer Studies durch öffentliche Diskreditierungen, institutionelle Drohungen oder Kürzungen unterwandert und/oder verunmöglicht, entschieden entgegen.

Um im Weiteren aus Perspektive der Fachgesellschaft besser mit der sich zuspitzenden Situation umgehen zu können, berufen wir im Vorstand der GfM eine Ansprechperson. Sie fungiert als Anlaufstelle und dient in erster Linie dazu, antigenderistische Angriffe und Vorkommnisse zu dokumentieren. Zu den Vorkommnissen zählen wir auch, wenn bekannt wird, dass Genderdenominationen gestrichen oder abgewandelt sowie Kürzungen vorgenommen werden. Es soll über die Einrichtung dieser Stelle signalisiert werden, dass die Fachgesellschaft nicht länger still beobachtet, sondern erste Schritte zur Solidarisierung unternimmt.

Den betroffenen Wissenschaftler*innen sprechen wir unsere Solidarität aus und bekräftigen, Ansätze einer intersektional aufgestellten Gender-und Medienwissenschaft zu unterstützen. Wir erachten diese als zentrales Element einer zeitgenössischen Medienwissenschaft. Daher treten wir auch weiter für Professuren und Institutionen ein, die die Genderforschung institutionell im Gefüge mit der Medienwissenschaft verankern.

Download als PDF: «Gegen Antigenderismus in der Wissenschaft und darüber hinaus»

AG Workshop: Sex und Diskriminierung – Materialitäten, Methode(n), Macht

Im Anschluss an das Symposium Queeres Kino|Queere Ästhetiken als Dokumentationen des Prekären des Graduiertenkollegs „Das Dokumentarische. Exzess und Entzug“ findet an der Ruhr-Universität Bochum am 27. April 2019 der Workshop der AG Gender/Queer Studies und Medienwissenschaft statt.

Unter dem Titel “Sex und Diskriminierung –  Materialitäten, Methode(n), Macht” möchten wir Diskussionen aufnehmen und fortsetzen, die vom Bekanntwerden des sogenannten Falls Reitman/Ronell im Sommer letztes Jahr angestoßen wurden, in ihren Gegenständen und Argumenten aber weit über diesen hinausreichen und fortdauern.

So werden wir den Komplex von sexual harrassment, campus security, Macht- und Abhängigkeitsverhältnissen in neoliberalen Universitäten erneut in den Blick nehmen und mit der Frage verbinden, wie (queere) Theorie dazu im Verhältnis steht. Konkreter wollen wir uns Überlegungen widmen, wie die Wahrnehmung von und Positionierung in Institutionen sich möglicherweise entlang eines Generationenunterschieds ausgestaltet und wie diese Differenz auch Resonanz unterschiedlicher Theoriepolitiken ist. Diese Diskussionen sollen Anschluss eröffnen für eine Beobachtung der eigenen universitären Institutionen und deren Umgang mit sexueller Diskriminierung, der (Nicht-)Übertragbarkeit von Title IX-Verfahren auf Hochschulen im deutschsprachigen Raum und der Frage danach, welche oder was für Protokolle es stattdessen (nicht) gibt.

Wir laden alle Interessierten herzlich ein, sich an der Diskussion zu beteiligen. Die Teilnahme steht allen offen, unabhängig von einer Mitgliedschaft in der AG.

Weitere Informationen und Lektüren zur Vorbereitung finden sich unter https://das-dokumentarische.blogs.ruhr-uni-bochum.de/events/.

Anmeldung unter Jasmin.Degeling@rub.de bis zum 15. April 2019.

Jasmin Degeling, Philipp Hanke, Sarah Horn, Mary Shnayien, Leonie Zilch